Der denkmalgeschützte Resthof der ehemaligen Windmühle in Lemmie war über lange Zeit nicht mehr bewohnbar und drohte zu verfallen.
Fehlende Heizungen, unzureichende Abdichtungen und erhebliche Feuchte- und Schwammschäden hatten die Bausubstanz stark beeinträchtigt. Zahlreiche Einbauten und nachträgliche Veränderungen überlagerten die ursprüngliche Architektur und machten die Qualitäten des Gebäudes zunächst kaum erkennbar.
Trotz seines Zustands überzeugte das Haus durch seine Proportionen, seine handwerkliche Qualität und die vielen Hinweise auf eine sorgfältig gestaltete historische Bausubstanz. Diese Qualitäten bildeten die Grundlage für die Entscheidung, den Bestand zu erhalten und behutsam weiterzuentwickeln.
Erhalten statt ersetzen
Die Sanierung folgt dem Prinzip, möglichst viel der vorhandenen Substanz zu bewahren und weiterzuverwenden. Historische Bauteile wurden aufgearbeitet, konstruktive Schäden behoben und bestehende Materialien soweit möglich erhalten. Abbruchmaterialien fanden in der Gestaltung der Außenanlagen eine neue Verwendung.
Baustoffe und Bauteile, die nicht im Gebäude verbleiben konnten, wurden zu Möbeln weiterverarbeitet oder an anderer Stelle erneut eingesetzt. Der Umgang mit dem Bestand versteht sich dabei nicht nur als denkmalpflegerische Aufgabe, sondern auch als bewusster Beitrag zu einem ressourcenschonenden Bauen.
Nachhaltigkeit im Bestand
Durch den Einsatz natürlicher Bau- und Dämmstoffe, denkmalgerechter Holzfenster, Einblasdämmung und einer Pelletheizung konnte das Gebäude energetisch umfassend ertüchtigt werden. Die Maßnahmen verbinden zeitgemäße Anforderungen an Energieeffizienz mit dem Anspruch, die historische Bausubstanz und ihre bauphysikalischen Eigenschaften zu erhalten.
So entstand ein Wohnhaus, das den Charakter des Bestands bewahrt und gleichzeitig den Anforderungen an zeitgemäßes Wohnen gerecht wird.
Wiederentdeckte Geschichte
Eine besondere Qualität des Hauses wurde erst während der Bauarbeiten sichtbar. Unter mehreren Schichten Tapeten kamen bislang unbekannte Deckenmalereien zum Vorschein, die über Jahrzehnte verborgen geblieben waren.
Mit Unterstützung des Niedersächsischen Landesamts für Denkmalpflege konnten die Malereien freigelegt und restauriert werden. Gemeinsam mit zahlreichen historischen Bauelementen, die erhalten und aufgearbeitet wurden, prägen sie heute die Atmosphäre des Hauses und machen die Geschichte des Gebäudes wieder unmittelbar erlebbar.
Wohnen für mehrere Generationen
Im Zuge der Sanierung wurde das Gebäude zu einem Mehrgenerationenhaus umgebaut. Die neue Nutzung schafft Raum für unterschiedliche Lebenssituationen und führt den historischen Resthof in eine langfristig tragfähige Zukunft.
Das Projekt zeigt, welches Potenzial im Bestand liegt. Statt Abriss und Neubau setzt es auf Erhalt, Weiterentwicklung und die sorgfältige Freilegung vorhandener Qualitäten. So entsteht ein Haus, das seine Geschichte bewahrt und zugleich Raum für kommende Generationen schafft.




