Das Gebäude aus dem Jahr 1913 ist fest in einem Gründerzeitvietel verankert und Teil eines gewachsenen, bis heute weitgehend intakten städtebaulichen Gefüges. Als neoklassizistischer Bau erzählt es von der letzten Entwicklungsphase des Viertels und prägt dessen Charakter bis heute. Über die Jahrzehnte wurde diese Klarheit durch An- und Umbauten zunehmend überlagert.
Freilegen statt Überformen
Der Entwurf folgt dem Prinzip der Rückführung. Ziel ist es, das ursprüngliche architektonische Erscheinungsbild wieder sichtbar zu machen und die Qualitäten des Bestands neu erlebbar werden zu lassen. Nachträgliche Anbauten werden entfernt, bestehende Kunststofffenster durch fein profilierte Holzfenster ersetzt. So gewinnt das Gebäude seine Haltung zurück und die vorhandene Raumstruktur wird bewusst gestärkt.
Materialität mit Tiefe
Das Materialkonzept setzt auf natürliche Werkstoffe und eine reduzierte Farbpalette. Materialien entfalten ihre Wirkung aus der eigenen Substanz heraus und schaffen eine ruhige, zeitlose Atmosphäre. Die Innenwände werden vom Putz befreit und lediglich geschlämmt, sodass die Struktur und handwerkliche Qualität des Bestands sichtbar bleiben und einen bewussten Kontrast zu den neuen Einbauten bilden.
Räume mit Atmosphäre
Im Inneren bestimmen Eichenparkett, textile Oberflächen und weitere Elemente in warmen, natürlichen Farbtönen das Raumgefühl. Die Materialien unterstützen die bestehende Raumstruktur und schaffen eine Atmosphäre, die Geborgenheit, Klarheit und zeitgemäßes Wohn- und Arbeitsumfeld miteinander verbinden.
Ein zeitgenössischer Akzent
Die barrierefreie Erschließung erfolgt über einen im rückwärtigen Bereich angeordneten Aufzug, der Teil des sogenannten „Jumpers“ ist. Als klar ablesbares, modernes Element bildet er einen bewussten Kontrast zum historischen Baukörper. Der Jumper bündelt die gesamte technische und organisatorische Infrastruktur und verbindet alle Ebenen des Hauses. In den Geschossen entsteht so eine Erschließungszone, von der aus die Räume klar organisiert erschlossen werden.
Weiterbauen mit Haltung
Das Projekt versteht sich als behutsames Weiterbauen im Bestand. Mit Respekt vor der Geschichte des Hauses und präzisen, zeitgenössischen Eingriffen entsteht ein Gebäude, das seine Vergangenheit nicht nur bewahrt, sondern sie selbstbewusst in die Gegenwart übersetzt.





