Mit der Revitalisierung eines gründerzeitlichen Wohnhauses am Weißekreuzplatz in Hannover wird ein denkmalgeschützter Bestand behutsam in die Gegenwart überführt. Ziel des Projekts ist es, die architektonischen Qualitäten des Hauses wieder sichtbar zu machen, funktionale Defizite vergangener Jahrzehnte zu beseitigen und gleichzeitig einen nachhaltigen Beitrag zur innerstädtischen Wohnraumentwicklung zu leisten.
Über viele Jahre haben zahlreiche Umbauten die ursprünglichen Raumstrukturen überformt. Kleinteilige Grundrisse, eingeschränkte Belichtung und veraltete Erschließungskonzepte prägen den Bestand. Die Planung nutzt diese Ausgangssituation als Chance für eine grundlegende Neuordnung.
Mehr Raum, mehr Qualität
Durch die Neuordnung der Grundrisse wird die ehemals vierteilige Wohnungsstruktur je Geschoss zu einem großzügigen Zweispänner weiterentwickelt. Die Anzahl der Wohnungen wird bewusst reduziert, um langfristig nutzbaren Wohnraum mit hoher Qualität zu schaffen.
An die Stelle kleinteiliger Einheiten treten Wohnungen mit klarer Raumorganisation, großzügigen Wohnbereichen und gut belichteten Räumen. Zeitgemäße Grundrisse schaffen Wohnraum, der den Anforderungen heutiger und künftiger Generationen gerecht wird.
Weiterbauen im Bestand
Die Reduzierung der Wohnungsanzahl bedeutet keinen Verlust von Wohnraum, sondern eine qualitative Aufwertung des Bestands. Gleichzeitig entstehen durch den Ausbau des Dachgeschosses zwei zusätzliche Maisonettewohnungen im Spitzboden.
Die Nachverdichtung innerhalb der bestehenden Gebäudestruktur schafft neuen Wohnraum, ohne zusätzliche Flächen zu versiegeln, und leistet damit einen Beitrag zum nachhaltigen Umgang mit urbanen Ressourcen.
Neuordnung der Erschließung
Ein zentral angeordneter Aufzug erschließt künftig sämtliche Geschosse barrierearm und macht das Gebäude für unterschiedliche Lebenssituationen langfristig nutzbar. Gleichzeitig wird die Erschließung neu organisiert und an heutige Anforderungen hinsichtlich Sicherheit, Brandschutz und Wohnkomfort angepasst. Neue Balkone schaffen qualitätsvolle Freiräume und stärken den Bezug zum grünen Innenbereich.
Historische Substanz bewahren
Besonderes Augenmerk gilt dem Erhalt der historischen Bausubstanz. Die denkmalgeschützten Fassaden und Dachflächen werden in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege instand gesetzt und behutsam weiterentwickelt.
Im Laufe der Zeit wurden die ursprünglichen Fenster durch vereinfachte Ausführungen ersetzt, wodurch die Fassadengliederung und die architektonische Wirkung des Gebäudes deutlich an Ausdruck verloren haben. Neue Holzsprossenfenster orientieren sich am historischen Vorbild und führen einen wesentlichen Teil der ursprünglichen Gestaltung zurück. Gemeinsam mit der Instandsetzung der Fassade lassen sie die Qualitäten des Gründerzeitbaus wieder deutlich hervortreten.
Der denkmalpflegerische Anspruch beschränkt sich dabei nicht auf die straßenseitigen Ansichten, sondern umfasst das gesamte Gebäude. Auch die Hoffassade bleibt in ihrer Materialität und Erscheinung erhalten. Auf eine Überdämmung wird bewusst verzichtet, sodass das geschlämmte Ziegelmauerwerk weiterhin sichtbar bleibt. Ergänzt wird die Fassade lediglich durch neue Balkonaustritte und Gauben, die zusätzlichen Wohnraum im Dachgeschoss ermöglichen.
Zukunft im Bestand
Durch die Verbindung von denkmalgerechter Sanierung, qualitätsvollen Grundrissen, barrierearmer Erschließung und behutsamer Nachverdichtung entsteht ein Wohnhaus, das den Charakter des Ortes bewahrt und gleichzeitig Antworten auf die Anforderungen zeitgemäßen Wohnens gibt.





